Jugendaustausch – die kulturelle Vielfalt in Deutschland

Jugendaustausch - die kulturelle Vielfalt in Deutschland

Menschen entscheiden sich zu etwas, weil sie es können. Das liest sich einfach. Doch wenn junge Menschen sich begegnen, wenn junge Menschen sich austauschen, wenn junge Menschen den harten Alltag in ihrem Heimatland für eine Woche vergessen und zunächst einmal schüchtern und leicht verhalten und dann doch voller Begeisterung und Dankbarkeit gemeinsam neue Eindrücke sammeln und ihre Erfahrungen erweitern, ja dann erlebt man Momente, bei denen die Berge an Arbeit und Vorbereitungen, die zwischen den Entscheidungen und Ereignissen liegen, schnell vergessen werden.

So erging es vielen, die bei der Umsetzung des Jugendaustausch, durchgeführt von Integration und Kulturzentrum e.V. Mettmann und gefördert vom Landesjugendamt NRW, mitgewirkt haben.
Die jungen Menschen zwischen 14 bis 22 Jahren besuchten von 16.08.2015 bis 23.08.2015 Deutschland. Ihre Heimatstadt Slawjansk, Ostukraine geriet 2014 als Hochburg der von Russland unterstützten Separatisten in die Schlagzeilen.
Nach der Rückeroberung durch ukrainische Armee mussten einige von Ihnen beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser helfen. Doch einige anderen mussten die bittere Gewissheit erfahren, dass ihre Väter und ältere Geschwister nicht gefangen gehalten, wie die Separatistenführer immer wieder zusicherten, sondern durch die letzteren längst ermordet worden waren.

Menschen entscheiden sich zu etwas, weil sie etwas können. So entschieden sich die jungen Menschen trotz ihrer bitteren Erfahrungen für Offenheit und Lebensfreude. Und knapp über zwei tausend Kilometer westlich entschied man sich zur selben Zeit für die Zusammenarbeit. Erste Telefonate, gegenseitiges Kennenlernen, Papierkram. Projektvorbereitung, Beschreibungen, Übersetzungen, Bescheinigungen, Gruppenzusammensetzungen, Visumangelegenheiten, Suche nach Gastfamilien, Organisation, Mitwirkende. Trotz dieser endlosen Schleife sagte uns Peter Vlasovez, der Leiter der Jugendgruppe aus Slawjansk, die Kinder würden die Tage bis zur Abreise zählen, wir zählten sie auch. Die Gastfamilien bauten Betten auf, lüfteten die Matratzen, kauften Leckereien. Man buchte die Hallen, kaufte Tickets, organisierte die Fahrgemeinschaften.

Das Motto des Jugendaustausches – die kulturelle Vielfalt in Deutschland – sorgte für ein recht strammes Programm. Köln empfing die Gäste zwar mit Regen, der Charme der Domstadt war aber nicht zu verbergen. Es ging auf und ab beim Dombesuch, es wurden Einblicke gewährt in Kölner Uni sowie ihre beiden Heiligtümer – Bibliothek und Mensa. Die Grünen und die FDP ermöglichten kleinere Diskussionen zur politischen Kultur und Bürgerengagement, die CDU und SPD unterstützte mit Tipps und Empfehlungen für weitere Projekte. In der Synagoge an der Ronstraße in Köln gab es nach der Führung eigen regen Austausch mit den Vertretern der dortigen Jugendgemeinde. Und wie gewohnt jeden Abend lange Gespräche am Abendtisch, Eindrücke, gemeinsames Beisammensein, gemeinsames Lachen, wie es sich für junges Leben gehört.

Bis zum Ausflug zum Movepark Bottrop konnte man sich so gut verstehen, dass man zusammen hemmungslos geschrien und gezittert hat, zusammen über die langen Schlangen schimpfte und zusammen irrtümlicherweise anstatt nach Dormagen es beinah nach Aachen geschafft hätte. Die Gastfamilien kümmerten sich prächtig um ihre Gastkinder, man unternahm Ausflüge nach Wuppertal, Brühl, Düsseldorf und sogar Amsterdam.

Zum Abschied feierten wir zusammen, am Flughafen wurden Pässe gesucht und in den eigenen Koffern gefunden, es wurden Tränen vergossen und sogar Kleinkinder getröstet, die ihre inzwischen lieb gewonnenen Gastgeschwister im Voraus vermisst haben. Danach versuchte man dank modernen Medien und intensiver Kommunikation, der Erkenntnis aus dem Weg zu gehen, dass diese anstrengende, da erlebnisreiche und wunderbare Woche nun endgültig vorbei ist. Aber die Zeit nimmt ja ihren Lauf.

Wir – Organisatoren, Mitwirkende, junge und nun nicht mehr junge Menschen haben uns kennen und gegenseitig schätzen gelernt. Einiges ist verschieden an Ansichten und Überzeugungen vieles mehr ist bewundernswert, doch weiß man nun genau, was eigentlich auch davor feststand: es gab und gibt viele Gemeinsamkeiten unter den jungen Menschen, die unsere Zukunft in Deutschland und in der Ukraine mit gestalten werden. Nach dieser Woche kann man auch mit Sicherheit von den schönsten gemeinsamen Erlebnissen sprechen, die den Menschen bei ihren zukünftigen Entscheidungen prägen werden.

In größter Dankbarkeit für das entgegengebrachte Vertrauen an den Partner aus der Ukraine, an alle Mitwirkenden und Gasteltern

IKZ e.V. Mettmann

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